Lebendige Schatten: So verbesserst Du all Deine Illustrationen sofort!

08.07.2018

Heute teile ich mit Dir all mein Wissen - über Schatten! Jede Illustration, ob digital oder analog, profitiert von lebendigen und ansprechenden Schatten. Um diese malen zu können, musst Du verstehen, wie Schatten funktionieren und wie unser Auge sie wahrnimmt. Wenn Du diesen Beitrag gelesen hast, wirst Du die Welt mit anderen Augen sehen - und Deine Illustrationen werden rocken!

 

 

Ich habe das meiste über Schatten gelernt, als ich Miniaturen bemalt habe. Hierbei werden oft schwierige Lichtsituationen gemalt und es müssen starke Kontraste auf kleinem Raum erschaffen werden. Dafür ist die richtige Farbe der Schatten extrem wichtig. Halt! Farbe? Du hast richtig gelesen. Um zu verstehen, warum Schatten farbig gemalt werden sollten, schauen wir uns mal Lichtspektren und die Sehfähigkeit des Menschen genauer an.

 

Licht

 

Du erinnerst Dich vielleicht noch aus der Schule, dass Licht Welleneigenschaften besitzt. Das heißt, die Farbe von Licht entspricht einer bestimmten Energie, die von der Wellenlänge des Lichts abhängt. Hat Licht eine höhere Energie, ist es z.B. blau und hat es eine niedrigere Energie ist es z.B. rot. Das Lichtspektrum, das uns interessiert, habe ich für Dich mal aufgemalt:

 

Bild 1: Lichtspektrum im Wellenlängenbereich von 400nm (Ultraviolettes Licht) bis 700nm (Infrarotlicht). Dargestellt sind die Farben, in denen wir diese Wellenlängen wahrnehmen.

 

Dieses ganze Lichtspektrum gibt es also theoretisch. Im Licht einer Lampe oder der Sonne sind aber nicht immer alle Farben enthalten, oft sogar nur ganz bestimmte Wellenlängen. Woran das liegt, erkläre ich jetzt hier nicht, das ist aber auch nicht wichtig fürs Malen von Schatten!

 

Bild 2 [1]: Spektren von vier unterschiedlichen Lichtquellen. Während im Tageslicht (Sonnenlicht) viel blau und gelb enthalten sind, strahlen Glühlampen vor Allem rötliches Licht und Wärme (Infrarotstrahlung) ab. Bei weißen LEDs gleicht der blaue Anteil den orangenen aus und das Licht erscheint uns weiß. Leuchtstoffröhren geben nur ganz bestimmte Wellenlängen in großen Mengen ab.

 

Lichtwahrnehmung

 

Wenn im Auge Licht auf unsere Netzhaut trifft, wird es von den sogenannten Stäbchen und Zäpfchen verarbeitet, die für verschiedene Bereiche des Spektrums empfindlich sind. Stäbchen sind auf einen kleinen Wellenlängenbereich sehr empfindlich und deshalb für unsere hell-dunkel-Wahrnehmung da. Sie registrieren, wie viel Licht ins Auge fällt. Da wir als Menschen sehr sehr viele dieser Stäbchen besitzen, ist an einem Bild auch die Hell-Dunkel-Struktur, das sogenannte Notan, besonders stark für unsere allgemeine Bewertung eines Bildes verantwortlich. Allgemein werden Bilder mit einer starken, einfachen Notan-Struktur als ästhetisch empfunden. Klare, große helle und dunkle Bereiche sind hierfür ideal.

Farben nehmen in unserem Auge die Zapfen oder Zäpfchen wahr. Hiervon haben wir genau drei Sorten: jeweils eine für rotes, blaues und günes Licht. Jedes kann aber nur sagen, ob es solch ein Licht wahrgenommen hat. Das Gehirn bastelt dann daraus unseren Farbeindruck. Registrieren zum Beispiel das rote und blaue Zäpfchen Licht, erscheint uns der Bereich lila. Das nennt man additives Sehen. Das Gehirn addiert einfach alle Signale zusammen. Hier seht ihr, wie die verschiedenen Farben beim additiven Sehen entstehen:

 

Bild 3 [2]: Addition von Farben. Blau und grün ergeben Cyan, Blau und Rot ergeben Magenta und Rot und Grün ergeben Gelb.

 

So weit, so einfach. (Hihi das hat ein Professor von mir immer gesagt...) Das Besondere an unseren Zäpfchen ist aber, dass das blaue viel empfindlicher ist als die anderen. Daher nehmen wir auch z.B. eine kleinere lilane Fläche als genauso präsent wahr wie eine größere gelbe. Im folgenden Diagramm siehst Du die Empfindlichkeit der Zäpfchen je nach Wellenlänge (also Farbe) des Lichts:

 

Bild 4: Empfindlichkeit der Zäpfchen je nach Wellenlänge. Unsere blauen Zäpfchen sind empfindlicher als die grünen und roten.

 

Schattenwurf

 

Stellen wir uns mal als Beispiel ein Haus vor. Fällt die Sonne von links auf das Haus, entsteht an der rechten Seite ein Schatten, weil das Licht die Wände nicht durchdringen kann. Alles klar. Aber warum ist denn dann die rechte Seite des Hauses nicht komplett schwarz? Weil das Licht als Welle um die Häuserkante gebeugt wird. Es kann also quasi "um die Ecke strahlen". Aber natürlich nur ein bisschen. Und jetzt kommt der Clou: Das blaue und lilane Licht wird wegen seiner kurzen Wellenlänge am meisten gebeugt, im Schatten rechts vom Haus kommt also am meisten lilanes und blaues Licht an.

 

Farbe von Schatten

 

Wenn also im Schatten neben dem Haus am meisten lilanes Licht ankommt und unsere blauen Zäpfchen am empfindlichsten sind, folgt daraus, dass Schatten lila aussehen! Deshalb sollten wir auch unbedingt als Illustratoren Schatten lila darstellen. Graue Schatten sehen für unser Auge nicht überzeugend aus, weil wir es anders gewöhnt sind.

ABER lilane Schatten gibt es nur, wenn in der Lichtquelle auch lilanes Licht enthalten war. Bei Sonnenlicht ist das ja der Fall, wie Du in Bild 2 sehen konntest. Bei anderen Lichtquellen gibt es einen Trick. Man malt Schatten einfach in der Komplementärfarbe der Lichtquelle, um einen hohen Farbkontrast zu erzeugen.

 

Komplementärfarben

 

Es gibt eine Vielzahl an Farbkreisen, die unsere verstärkte Blauwahrnehmung einbeziehen und umgerechnete Farbverhältnisse darstellen. Wie das funktioniert muss man wirklich nicht wissen, man muss es nur benutzen können. Das ist zum Beispiel ein Farbkreis nach Itten:

Bild 5 [3]: Farbkreis nach Johannes Itten. Gegenüberliegende Farben sind Komplementärfarben nach unserer Farbwahrnehmung und stellen den höchstmöglichen Farbkontrast für unser Auge dar. Um immer einen Farbkreis dabeizuhaben, hol Dir ein Farbmischrad(*)! (*Affiliate-Link: Wenn Du über diesen Link kaufst, erhalte ich einen kleinen Anteil vom Kaufpreis)

 

Ist eine Szene also von einem orangenen Feuer beleuchtet, malt man die Schatten blau, bei einer grünen Lichtfarbe (z.B. von Magie oder einer LED) gestaltet man die Schatten rötlich.

Bild 6: "Kleine Hexe", eine Aquarell-Illustration von mir mit einer orangenen Lichtqelle. Die Bäume im Hintergrund habe ich mit Blau gemalt. Dadurch ist die ganze Lichtsituation sehr glaubwürdig und man fühlt sich wirklich wie in einem stockdunklen Wald, wo nur das Feuer als Lichtquelle dient. Auch die schattigen Seiten der Hexe sind mit blau lasiert, die angestrahlten Stellen mit orange. Im Englischen heißt diese Technik OSL ("object source lighting") und beschreibt Licht, das von einem bestimmten Objekt ausgeht, in diesem Fall vom Kessel.

 

Zusammenfassung

 

Eine Illustration oder ein Gemälde sind dann gut, wenn sie für uns glaubwürdig sind. Da wir von Natur aus blau und lila als Schattenfarben gewöhnt sind, weil diese bei Sonnenlicht auftreten, ist es prinzipiell eine gute Idee Schatten lila oder blau zu gestalten. Hat die Lichtquelle in Deinem Bild eine bestimmte Farbe, nutze für die Schatten die Komplementärfarbe, um den Farbkontrast auszunutzen.

Um Farbe in Deine Schatten zu bekommen, nutze entweder transparente Schichten dieser Farbe oder bestimmte Grautöne. Die Marker, die ich letztens rezensiert habe, haben ja zum Glück total viele verschiedene Grautöne!

 

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Bildquellen:

 

[1] http://tiny-houses.de/wp-content/uploads/farbspektrum.jpg 03.07.2018

Originaldatei auf www.led-sparrechner.de leider nicht mehr abrufbar.

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Additive_Farbmischung#/media/File:Synthese%2B.svg 03.07.2018

CC BY-SA 3.0

[3] https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b9/Farbkreis_Itten_1961.svg 05.07.2018

 

 

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Ich bin Lena, ausgebildete Wissenschaftlerin und Illustratorin aus Berlin. Meine Mission ist es, Kindern und Laien Wissenschaft verständlich und illustriert nahe zu bringen. Ich biete Erklärungen, Experimente und Abbildungen für den Unterricht kostenlos an. Außerdem illustriere ich nach Wunsch Dein Buch, Arbeitsblatt oder Deine Ausstellung.

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Lena Schmack | Berlin | mail@lenaschmack.de | +49 162 7223255

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